Noah, das Davor und das Danach (Fortsetzung)

Am Freitag, dem 20.12.2019 wachte ich auf und war ruhig und klar. Ich sollte um 10 im Krankenhaus sein, also war der Morgen schnell vorüber.

Im Krankenhaus angekommen wurde ich von Vicky, meiner sehr sympathischen Bezugskrankenschwester, empfangen. Sie brachte mich auf ein Zimmer und erklärte mir dort was genau passieren würde. Ich bekam nun ein wehenauslösendes Medikament, um die Geburt einzuleiten. Die erste Dosis wurde vaginal verabreicht, danach alle 3 Stunden eine weitere Dosis, 5 maximal. Alle bis auf die erste durfte ich schlucken.

Beim Einführen des Medikamentes war Vicky sehr vorsichtig, unangenehm war es trotzdem. Danach hieß es erstmal Warten. Ich vertrieb mir die Zeit mit twittern und beschloss dann eine Runde zu schlafen. Nach etwa anderthalb Stunden wurde ich durch die Essensausgabe geweckt. Ich aß ein Schinkenbrot und fühlte mich danach etwas besser. Ich beschloss dass ich vor der zweiten Dosis noch eine rauchen gehen wollte. Beim Anziehen bemerkte ich, dass die Blutung eingesetzt hatte. Ich klingelte nach Vicky, sie beruhigte mich und ich meldete mich bei ihr zum rauchen ab.

Während ich rauchte, telefonierte ich mit dem Mann. Ich erzählte ihm, dass die Blutung eingesetzt hatte, ich zwar schon starke Schmerzen hatte aber sicher ohne Schmerzmittel durchhalten würde. Ich ging wieder aufs Zimmer und nahm gegen 14 Uhr die nächste Dosis. Etwa 30 Minuten später wurden die Schmerzen stärker. So viel stärker dass ich nun doch nach Schmerzmitteln bat. Diese bekam ich, schluckte sie und musste prompt erbrechen. Ich schaffte es nichtmal das Klo zu treffen nachdem ich die Bettpfanne runter riss. Ich klingelte nach der Schwester, sie kam, streichelte mir den Rücken und wischte im Anschluss mein Erbrochenes auf.

Ich beschloss mich nochmal hinzulegen, wartete auf weitere Schmerzmittel und etwas gegen die Übelkeit. Die Schwesternschülerin, die Vicky den ganzen Tag begleitete brachte mirnetwas gegen die Übelkeit und erklärte mir, dass sie auf den Arzt warten damit ich szärkere Schmerzmittel bekommen kann. Sie ging und ich konnte kaum atmen oder eine Tablette schlucken, ich hatte unfassbare körperliche Schmerzen. Die Schmerzen kamen in sehr kurzen Abständen und waren oft länger, als der Zeitraum dazwischen. Ich versuchte nochmal mich hinzulegen, versuchte irgendwie Ruhe zu finden. Ich drehte mich zur Seite.

Plötzlich gab es einen Ruck in meinem Körper, als hätte jemand meine Organe nach unten gezogen. Ich rannte zur Toilette, dort füllte sich eine Bettpfanne schnell mit blutigem Fruchtwasser. Ich hatte immer noch furchtbare Schmerzen und wusste genau, dass das der Moment war auf den ich gewartet habe. Ich klingelte nach Vicky, eine der Stationshilfen öffnete die Tür und ich hörte ich nur noch schreien “Es passiert jetzt!”. Plötzlich kamen Vicky und die Schülerin angerannt, die Schülerin half mir auf die Beine während Vicky die Bettpfanne unter mir austauschte. Ich merkte zudem Zeitpunkt schon, dass etwas halb aus mir heraus hing. Ich setzte mich wieder, Vicky streichelte mir den Rücken und redete mir gut zu. Sie sagte ich solle pressen, wenn ich das Bedürfnis habe. Das tat ich und plötzlich fiel etwas in die Bettpfanne und alle Schmerzen ließen schlagartig nach. Ich stand wieder vorsichtig auf, Vicky tauschte die Bettpfannen. Sie sagte, dass bis jetzt nur das Baby kam und wir noch auf die Plazenta warten müssen. Ich hatte, trotz Warnung, einen Blick auf das Baby als es passierte. Da lag ein kleiner Mensch, mit kleinen Armen und kleinen Händen mit den kleinsten 5 Fingern, die ich je gesehen hatte. Viel mehr konnte ich nicht sehen und wollte auch gar nicht. Vicky brachte das Baby schnell weg und hatte als sie wieder kam eine Spritze dabei. Da die Plazenta immer noch nicht draußen war, wollte sie mir ein Medikament spritten das nochmal Wehen auslöst. Ich bat sie noch 10 Minuten zu warten da ich merkte, dass auch die Plazenta auf dem Weg nach unten war. Und ich hatte Recht. Es dauerte nichtmal 10 Minuten, bis sie draußen war und das ganz ohne diese fürchterlichen Wehen.

Nachdem ich 40 Minuten lang Schmerzen aushielt die mir den Schweiß auf die Stirn trieben, ging es mir danach gut. Ich hatte Schmerzen, aber sie waren erträglich. Ich ging rauchen und rief den Mann an, ich war so erleichtert und fast euphorisch. Wir waren alle froh, als es vorbei war. Ich wurde noch einige Stunden zur Beobachtung der Blutung da behalten, der Mann kan mich gegen 6 abholen und gegen 7 waren wir dann wieder zuhause. Und ich war nicht mehr schwanger.

Ich habe die Post Mortem Untersuchung des Babies abgelehnt, daher weiß ich auch nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen war. Aus diesem Grund, habe ich mich für den Namen Noah entschieden. Am 20.12.2019 hat uns Noah verlassen, aber wird immer in unseren Herzen bleiben.

Leave a comment

Design a site like this with WordPress.com
Get started