Der letzte Blogbeitrag schließt damit ab, dass ich nicht mehr schwanger bin. Aber damit ist es nicht getan.
Ich war zwar nicht mehr schwanger und hatte das Schlimmste hinter mir, aber ich hatte zwei Tage lang fiese Nachwehen. Krämpfe, die mich sofort zum Freitag zurückbrachten. Ein paar Mal habe ich mich dabei erwischt, wie ich bei Bewegungen im Bauch, seien es Krämpfe, Zuckungen oder Blähungen, versucht habe nach der Schwester zu klingeln. Immer, wenn ich meine Hand auf meinen Bauch legte merkte ich wie leer und weich er war, merkte dass die einzige physische Verbindung zu Noah nicht mehr existierte.
Nach Fehlgeburt kommt Trauma.
Am Freitagabend hatte ich beim Zubettgehen eine Panikattacke. In einem kurzen Moment der Entspannnung war alles gut, ich legte die Hand auf meinen Bauch und mein Baby war weg. Panik. Der Mann hielt mich und streichelte mir den Rücken, bis ich mich beruhigen konnte.
Ich hörte danach schnell auf, meinen Bauch anzufassen. Die Leere in mir war nur schwer zu ertragen.
An Heiligabend saßen wir morgens im Wohnzimmer und hatten eine verfrühte Bescherung, da wir später zu den Schwiegereltern fuhren und nicht noch unnötiges Zeug mitschleppen wollten. Das war soweit ganz schön, aber als meine Tochter da saß und fröhlich und zufrieden mit ihren neuen Geschenken spielte übermannte mich erneut die Trauer. Noah würde nie an Weihnachten bei uns sitzen und zufrieden Geschenke auspacken. Ich würde Noah nie beim Geschenke auspacken zusehen können. All die Dinge, die Noah nie erleben würde durchfluteten gleichzeitig meine Gedanken. Wird sich nie verlieben, oder auf Bäume klettern. Ich würde Noah nie ins Bett bringen und zudecken können.
Nach Fehlgeburt kommt Leere.
Ich war froh, zu den Schwiegereltern zu fahren. Dort würden immer genug Leute sein, damit ich mich nicht mit mir selbst beschäftigen muss. Das würde mich ablenken. Dachte ich. Aber niemand wusste so recht, was sie zu mir sagen sollten. Also sagte einfach keiner was. Und das war auch nicht gut. Ich fühlte mich, als würden sie mein Baby jetzt auch noch totschweigen, dabei war es doch schon tot genug. Ich fand keinen Ausweg aus meinem Kopf, meine Gedanken hielten mich fest umklammert. Ich fühlte ständige Leere, gepaart mit Krämpfen und Blutungen.
Wir entschieden uns, zwei Tage eher heim zu fahren als geplant. Ich brauchte Ruhe, wollte meiner Trauer Raum lassen und einfach nur noch nach Hause. Bevor wir gingen, besuchten wir noch eine Freundin und ihr 3 Wochen altes Baby.
Ich hatte Angst vor dem Besuch, Angst dass ein Neugeborenes plötzlich negative Gefühle in mir hervor rufen könnte. Und als ich ihn dann hielt, spürte ich plötzlich die Leere nicht mehr. Wir waren dort für ca. 3h und wenn er nicht gestillt wurde, habe ich ihn gehalten. Er fühlte sich wohl bei mir und heilte ein kleines bisschen mein gebrochenes Herz. Als wir nach Hause gingen, spürte ich die Leere nicht mehr so stark. Sie war immer noch da, aber nicht mehr überwältigend und alles einnehmend. Sie war erträglich.
Ich versuche seither, besser mit meiner Trauer zu arbeiten. Ihr Raum und Zeit zu geben auch im Alltag, sie nicht wegzuschieben sondern als Teil von mir zu akzeptieren. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht ins Trauer Loch falle. Denn da komme ich nur schwer wieder raus. Und ich habe ein Kind, für das ich da sein muss. Dieser anderthalbjährige Mensch, weiß gar nicht wie viel Kraft sie mir gibt. Ich möchte hier bald einen täglichen Bericht starten, wie es mir ging und wie ich mit meinen Gefühlen arbeite. Jetzt da ich das Wichtigste aufgeschrieben habe, ist mein Kopf bereit für Neues.