Fehlgeburten passieren häufiger als man denkt. 30-40% der Schwangeren erleiden im Laufe ihres Lebens eine Fehlgeburt. Auch wenn ihr es nicht wisst, ihr habt mit Sicherheit mindestens eine Person im Bekanntenkreis, der so etwas passiert ist. Ich habe allein in der Familie drei weitere Frauen die ein oder mehrere Fehlgeburten aus verschiedenen Gründen erlitten. Für viele Frauen ist es leider immer noch ein Tabuthema.
Aber warum? Wie geht unsere Gesellschaft mit den Frauen um, dass sie oft das Gefühl haben nicht darüber sprechen zu dürfen? Ich kann nur für mich sprechen, aber ich möchte mein Kind nicht auch noch totschweigen. Schlimm genug, dass es tot ist.
Über Frauenprobleme spricht man nicht.
Es ist gesellschaftlich noch immer schwierig, offen über “Frauenthemen” zu diskutieren. Jugendliche tuscheln hinter vorgehaltener Hand über “die Erdbeerwoche”, Tampons und Binden werden in Ärmeln versteckt damit niemand merkt, dass da jemand menstruiert. Es passiert vielen Millionen Menschen jeden Monat, aber wir reden einfach nicht darüber. Wir reden nicht über die Schmerzen, mit denen sich manche von uns jeden Monat durch den Alltag quälen, mit denen wir kompetent sein müssen, funktionieren müssen und unsere Jobs machen müssen. Es wird oft als unwichtig abgetan, gewöhn dich dran so geht’s doch jedem. Aber wenns jedem so geht, warum sind wir dann immer noch so unsensibel?
Für viele ist es schwer, sich unter dem Begriff “Fehlgeburt” konkret etwas vorzustellen. Fakt ist, dass alle Frauen die eine Fehlgeburt hatten, ein totes Kind geboren haben. Es ist nicht wie das einsetzen einer Periode, es sind (zumindest in meinem Fall) heftige Geburts und Presswehen, gefolgt von der Geburt eines toten Kindes und der Nachgeburt, gefolgt von Krämpfen und Blutungen. Es ist keine normale Blutung und mit dem Einsetzen einer Regelblutung einfach nicht zu vergleichen. Eine Fehlgeburt ist eine Geburt. Und im Nachhinein Fehlt was.
Ich wünsche mir, dass mich die Menschen normal behandeln und trotzdem anerkennen, was ich durchgemacht habe. Was mein Körper geleistet hat. Ich wünsche mir, auch mal auf mein Sternenkind amgesprochen zu werden. Ich möchte darüber reden, nach meinem lebendigen Kind fragen so viele aber nach Noah und mir fragt niemand. Weil die Leute zu viel Angst vor vielleicht unbequemen Antworten haben. Trauer ist so tabu, dass sie einfach weg geschoben wird. Wer einen geliebten Menschen verliert, muss lernen mit dem Verlust klar zu kommen. Bei manchen dauert das länger als bei anderen, aber unsere Gesellschaft fordert dass wir mehr oder weniger sofort wieder funktionieren. Aber ich kann nicht einfach normal funktionieren, wenn es für mich kein normal mehr gibt. An Weihnachten mit der Großfamilie nahm mich eine einzige unserer Tanten in den Arm und sagte mir, wie leid ihr alles tat. Und das war so gut. Ich hatte sie nicht darauf angesprochen, aber in einem ruhigen Moment sprach sie mir ihr Beileid aus und ich fühlte mich so verstanden. Das wünsche ich mir von den Menschen. Verständnis. Dafür, dass ich trauere aber auch dafür, dass ich deswegen nicht grundsätzlich Extra Behandlung wünsche. Der Grat zwischen “totschweigen” und “es übertreiben” scheint schmal, aber manchmal hilft schon eine Umarmung und eine ehrliche Beileidsbekundung. Fragt Betroffene, ob sie darüber reden wollen. Nicht alle werden immer ja sagen, aber lasst sie wissen dass ihr ein offenes Ohr habt.
Was ich mir noch von den Menschen wünsche? Mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen, sensibler auf unser Umfeld zu reagieren. Mehr Nachsicht walten lassen. Ich wünsche mir von den Menschen, dass sie ein bisschen weicher werden. Es würde uns allen gut tun.
Meine Liebe,
du sprichst mir mit diesem Text aus dem Herzen. Auch ich fand die Ignoranz nach der stillen Geburt ganz schrecklich. Nur wenige sprachen mich an oder nahmen mich in dem Arm (Das hätte so oft einfach nur gereicht). Denn darüber sprechen war für mich Balsam und Trauerbewältigung. Leider hast du Recht, es ist immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Auf meinem Blog veröffentliche ich Gastbeiträge, seit knapp einem Jahr suche ich Erfahrungsberichte von Sterneneltern, aber selbst in den Facebookgruppen findet man kaum Leute die darüber reden möchten. Falls du Interesse hast deine Geschichte zu erzählen würde ich mich freuen.
Alles Gute für dich
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Hallo, ich würde mich freuen auf deinem blog meine Geschichte erzählen zu dürfen. Ich bin noch recht neu in der Blogwelt und kenne mich leider nicht sonderlich gut aus. Ich habe hier auch in 2 Beiträgen genau geschrieben, was mir passiert ist. Wenn d as irgendwie geht, darfst du auch diese verlinken.
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