Ein Stück Kindheit zu Grabe tragen.

Am 20.12.2019 verstarb mein Kind. Genau 2 Monate später, am 20.02.2020 verstarb nun meine Oma. Im Januar trauerte ich beim Gottesdienst um ein Stück meiner Zukunft. Im März werde ich bei einem Gottesdienst um ein Stück meiner Kindheit trauern.

Meine Oma Brigitte wohnte in einem Hof in dem noch 3 andere Familien lebten, alles Cousins von ihr. Dort wuchs ich auf mit meinen Geschwistern, Cousins, Cousinen, Großcousins und Großcousinen. Eine Kindheit zwischen Apfelbäumen und Feldern, eine Kindheit wie in Bullerbü. Bei Oma Brigitte war immer was los. Im Sommer planschten wir alle im großen Planschbecken, rutschten die heiße Rutschbahn hinab, schaukelten oder spielten im Sandkasten. Im Winter fuhren wir hinterm Haus schlitten, bauten Schneemänner und führten Schneeballschlachten. Wenn es draußen regnete gab es auch drinnen immer was zu tun. Zwischen Kisten voller Playmobil und Lego fanden sich Bücher, Bügelperlen, Webrahmen. Wir kochten Kakao und Pudding, backten Kuchen oder probierten etwas neues aus. Wir saßen oft zusammen und spielten Karten oder Malefiz. In der Küche mit dem Nussbaum vorm Fenster, der irgendwann fehlte. So wie du jetzt fehlst Oma. Meine Kindheit mit dir war voll selbstgepflückter Johannisbeeren und selbst geschlagener Sahne verteilt auf dem gekauften Kuchenboden. Oma, du und ich das war was besonderes. Was genaues. Wir waren beste Freunde.

Oma, es tut mir leid dass ich mich nicht oft gemeldet habe am Schluss. Ich habe dauernd was vorgeschoben, dachte nicht dass du uns so schnell verlässt. Ich hätte dich so gerne nochmal gesehen, dich gerne nochmal geküsst und umarmt, gerne ein letztes Mal deinen Oma Duft geatmet. Mit deinem Tod schließt sich heute eine Tür. Die Tür zu einem unbeschwerten Mädchen, dass mit 23 plötzlich älter ist als mancher mit 53. Die letzten 3 Monate waren heftig. Haben viel von mir verlangt. Unbeschwertheit ist keine mehr da, das Leben hat mich auf den Boden der Tatsachen gesetzt. Der Blick auf die Realität ändert sich fortwährend. Die Realität ändert sich fortwährend.

Ich hoffe es geht dir jetzt besser. Ich hoffe du hast keine Schmerzen mehr. Ich hoffe du hast deine Unbeschwertheit zurück. Grüß mir mein Noahkind.

Meine Oma Brigitte mit meiner Tochter. Ich liebe dich Omi.

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